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Martin Buber:ICH und DU

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ein erster Einblick in ein grosses Lebenswerk


Noch fehlt mir Zeit und Musse, hier mehr über diesen Menschen, der mir so viel bedeutet, zu schreiben, als einige Worte zu und von seinem Denken.



Ich und Du





(aus dem dritten Teil "Ich und Du", Erstausgabe 1922, Inselverlag Leipzig)



Alles auf unserem Weg ist Entscheidung:
gemeinte, geahnte, geheime;
diese im innersten ist die urgeheime
und an Bestimmung die mächtigste.


Martin Buber distanziert sich von einem Aufgeben des ICH zugunsten einer wahren Erkenntnis. Er will keine Abkehr von der Wirklichkeit, die in der Versenkung zur Scheinwelt wird:

"Wir aber wollen das heilige Gut unserer Wirklichkeit
das uns für dieses Leben,
und vielleicht für kein anderes, wahrheitsnäheres, geschenkt ist,
heilig pflegen."

In der gelebten Wirklichkeit gibt es keine Einheit des Seins.

Wirklichkeit besteht nur im Wirken, ihre Kraft und Tiefe in der seinen.

Auch
innere Wirklichkeit ist nur, wenn Wechselwirkung ist.

Die stärkste und tiefste Wirklichkeit ist, wo alles ins Wirken eingeht, ohne Rückhalt der ganze Mensch und der allumfangende Gott, das geeinte ich und das schrankenlose Du.


Das geeinte Ich:

denn es gibt in der gelebten Wirklichkeit das Einswerden der Seele

die Einsammlung der Kräfte in den Kern,

den entscheidenden Augenblick des Menschen.

Aber das ist nicht wie jene Versenkung ein Absehen von der wirklichen Person. Die Versenkung will nur das „Reine“, das Eigentliche, das Dauernde wahren und alles andere abstreifen;


die Einsammlung achtet das Triebhafte nicht zu unrein,

das Sinnenhafte nicht zu peripher,

das Gemüthafte nicht zu flüchtig,

-alles muss einbezogen, einbewältigt werden.

Sie will nicht das abgezogene Selbst, sie will den ganzen ungeschmälerten Menschen.

Sie meint Wirklichkeit und ist es.

Solang sich einer nur in seinem Selbst erlöst, kann er der Welt weder Liebes noch Leides tun. Er geht sie nichts an.
Nur wer an die Welt glaubt, bekommt es mit ihr selbst zu tun; und gibt er sich dran, kann er auch nicht gottlos bleiben"

"Gott umfasst das All, und ist es nicht; so aber auch umfasst Gott mein Selbst, und ist es nicht."


Im geschauten Geheimnis, wie in der gelebten Wirklichkeit, waltet nicht das "So ist es" und nicht das "So ist es nicht", nicht das Sein und nicht das Nichtsein, sondern das So-und-anders, das Sein-und-Nichtsein, das Unauflösbare

In dieser Unauflöslichkeit des einen mit dem andern ist dem Menschen eine Verbindung geschaffen zum ewigen DU in der Sprache. Er kann durch die Sprache in Zwiesprache kommen mit Gott!

Es gibt den Geist, dessen Urakt sie ist, gibt es in Ewigkeit das Wort.

Doch wenn das Wort losgelöst wird vom Ich und vom Du und sich nur noch mit einer Sache befasst, verliert es den Bezug zum Unauflösbaren. In letzter Konsequenz stünde dann die Aussage des "Besessenen, der Gott zu besitzen meint".


Gott aber, die ewige Gegenwart, lässt sich nicht haben.



Zum Schluss dieser bruchstückhaften Einführung in meine von Buber beeinflusste Gedankenwelt, möchte ich die Aussage aus der oben zitierten Zusammenfassung wiederholen:


Buber wollte

»eine Religion, in der der einzelne Gott anreden und von Gott angeredet werden kann, aber eine solche, in der ein Reden über Gott ausgeschlossen ist«.


Nicht über Gott sprechen, sondern mit ihm!


Führt das nicht ganz selbstverständlich zur logischen Konsequenz dass wir uns auch unseren Mitmenschen gegenüber so verhalten sollten, dass wir nicht über sie sprechen, sondern mit ihnen, sodass sie nie zu einem sochen ES werden, dem wir nicht mehr im DU begegnen könnten?

Nicht über Mitmenschen sprechen, sondern mit ihnen!


Im Unterschied zum Sprechen mit Gott können wir zwar über unsere Mitmenschen sprechen, weil wir ihnen im DU begegnen und uns auch wieder von ihnen entfernen können. Im Unterschied zu einem Wesen - einem DU - und einer Sache - einem ES, das nicht über den Geist der Sprache verfügt - bleibt aber unser Sprechen über Mitmenschen immer ein Wagnis und Stückwerk.

Alles wirkliche Leben ist Begegnung!



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